DER GUTE HIRT

In der Zeit zwischen Weißen Sonntag und Pfingsten versucht die Sonntagsliturgie, durch die Mithilfe des Johannesevangeliums, das Osterereignis zu interpretieren. Das Evangelium des 2. Sonntags nach Ostern (Joh 10,11-16) stellt das Bild des guten Hirten vor. Jesus deutet damit seine messianische und göttliche Identität an. Messianisch, denn der Christus ist der Sohn Davids, des Hirten, der zum König in Israel wurde. Im Altertum wurden Könige häufig als „Hirten des Volkes‟ dargestellt. Jesus aber ist nicht nur der Sohn Davids, sondern der Sohn Gottes, eins mit dem Vater. Und im Alten Testament wird Gott selbst als der Hirt seines Volkes dargestellt: „Seine Herde weidet er wie ein Hirt, mit seinem Arm sammelt er die Lämmer; er trägt sie an seiner Brust, die Mutterschafe leitet er sacht‟ (Isaias 40,11; Übers. V. Hamp – M. Stenzel). Im Buch Ezechiel sagt Gott: „Siehe, ich selbst will für meine Schafe sorgen und mich ihrer annehmen‟ (Ez 34,11). Und weiter: „Ich selbst werde meine Schafe weiden, ich selbst lasse sie lagern. Spruch des Gebieters und Herrn‟ (34,15).

Jesus stellt sich als der gute Hirt, der beispielhafte Hirt, vor. Er sorgt sich um seine Schafe, bis er sein Leben für sie hingibt. Tatsächlich sind seine Herde nicht Tiere, sondern menschliche Seelen, die durch seine Gnade fähig sind, das ewige Leben zu erwerben. Zugang zu diesem Leben leistet uns Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung. Das Selbstopfer des guten Hirten rettet uns von der Sünde, vom Tod, von der Herrschaft des Satans. 

Die Gnade unserer Taufe, unsere Gleichgestaltung mit Christus, der gestorben und auferstanden ist, erfordert und ermöglicht die Bekehrung. Der gute Hirte ist jener, der sein Leben für die Schafe, für uns, hingibt. Unsere Aufgabe ist es, zu ihm zurückzukehren. Zur Vergebung der Sünden sind wir getauft geworden; wir sollen auch nicht zögern, das Bußsakrament häufig zu empfangen, damit wir immer mehr von unseren Sünden befreit werden können. Die heutige Lesung aus dem 1. Petrusbrief wendet auch eine pastorale Bildsprache an, um diese wesentliche Dimension des Christseins, die Bekehrung, auszudrücken. Mit einer Anspielung an Isaias 53,6 sagt Petrus: „ihr waret wie irrende Schafe‟, und fügt hinzu, „jetzt aber seid ihr hingewendet zum Hirten und Hüter‟ – wörtlich, zum Bischof (im Griechischen: episkopos) – „eurer Seelen‟ (2,24; Übers. J. Kürzinger)

Die Liebe, die Jesus zeigte, indem er sich als Opfer für uns und für unsere Heil hingab, erfordert von uns Liebe und Bekehrung. Im Sinnbild des guten Hirten erkennen wir Christus als unseren Schöpfer und Erlöser. Wie es im Psalm 100 heißt: „Seid euch bewußt: der Herr allein ist Gott! Er ist unser Schöpfer; wir aber sind sein Volk, die Schafe seiner Weide‟. (BG)

Beichtgelegenheiten im Distriktshaus: täglich 9 bis 11 Uhr; 15 bis 17.30 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung (Tel. + 49 8385 1625)